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Rekordsommer mit Schattenseite

Freitag 21. Dezember 2018

56 % mehr Besucher als im Vorjahr strömten im Sommer in die Freibäder. Das ergab die aktuelle Befragung der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen (DGfdB), an der sich 296 Bäder beteiligten.

An den 115 Betriebstagen kamen bis zu 61.188 Besucher pro Freibad. 2017 waren es 41.316 an 112 Betriebstagen. Das ergibt hochgerechnet eine Gesamtbesucherzahl von 1,42 Mio. Freibadbesuchern. Die Umfrage umfasst allerdings nur den Zeitraum bis Ende August.

Gestiegen ist auch die Zahl der Badeunfälle. So ertranken laut Deutscher Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in den ersten acht Monaten hierzulande 445 Menschen – 148 mehr als im Vorjahr. Die Zahl der tödlichen Unfälle in Schwimmbädern stieg von 19 (2017) auf 29, die Zahl der ertrunken Kinder (0 bis 15 Jahre) von 17 (2017) auf 39.

Bäder werden geschlossen, Schwimmunterricht fällt aus, und jetzt steigt auch noch die Zahl der tödlichen Badeunfälle sprunghaft an: Politiker und Verbandsvertreter schlagen Alarm. Eine Folge: Kommunale Bäder gewinnen an Bedeutung.

Fritz Schramma, der Präsident der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen (DGfdB) fordert von Bund und Ländern einen Masterplan. „Das bedeutet einerseits finanzielle Mittel gegen den Sanierungsstau von 4,5 Mrd. Euro einzusetzen, aber auch die berufliche Qualifizierung von Fachangestellten zu fördern und endlich den Schwimmunterricht verpflichtend in den Kanon der Unterrichtsfächer der Grundschulen aufzunehmen“. In Deutschland dürfe kein Kind ertrinken, weil es keine Gelegenheit hatte schwimmen zu lernen. Die Realität sieht anders aus: So verdoppelte sich in der Altergruppe von 0 bis 10 Jahren die Zahl der Ertrunkenen auf 26. Bei den 11- bis 15-Jährigen gab es in diesem Sommer 13 Todesfälle – neun mehr als 2017.

„Diese Zahlen sind das Ergebnis der Bäderschließungen und der damit verbundenen Ausfälle von Schwimmunterricht an den Schulen“, sagte Achim Haag, Präsident der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Volker Härtl, der Landesgeschäftsführer der DLRG Bayern, nimmt die Politiker und die Kommunen in die Pflicht: „Wer heute Schwimmbäder schließt, trägt später eine Mitschuld, wenn Kinder nicht mehr schwimmen lernen und ertrinken.“

Studien zufolge kann gerade einmal die Hälfte der Schüler am Ende der vierten Klasse schwimmen. Nur 40 % von ihnen erwerben das Schwimmabzeichen in Bronze (200 m in max. 15 min. schwimmen) und gelten damit laut DLRG als sichere Schwimmer. „Deutschland wird zum Nichtschwimmerland“, fürchtet Achim Wiese, Pressesprecher der DLRG. Er erinnert daran, dass es gesetzliche Pflicht sei, jedem Grundschüler das Schwimmen beizubringen. Doch aufgrund von Bäderschließungen steht rund 25 % der Grundschulen kein Schwimmbad in der Nähe zur Verfügung. Weiteres Problem: Immer weniger Grundschullehrer verfügen über die vorgeschriebene Zusatzqualifikation, um überhaupt Schwimmunterricht erteilen zu können.

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