Die IHO-Listen und ihre Bedeutung

Vor dem Hintergrund der Biozidprodukte-Verordnung bedarf es für Desinfektionsmittel neuerdings eine behördliche Zulassung. Diese Verordnung gilt einheitlich in ganz Europa. Deshalb setzen Hersteller auf EU-weite Regelungen wie die IHO-Liste. Doch das wirft viele Fragen auf. Werden nationale Listen überflüssig? Können Behörden auf die Verwendung von VAH-gelisteten Produkten pochen?

Wofür steht die Biozidprodukte-Verordnung?

Die Biozidprodukte-Verordnung (EU) Nr. 528/2012 (BPV) regelt europaweit das Inverkehrbringen und die Verwendung von Biozidprodukten sowie von behandelten Waren. Biozidprodukte sind Stoffe oder Gemische, die chemische oder biologische Wirkstoffe enthalten und  Schadorganismen bekämpfen. Vier Hauptgruppen werden unterschieden: Desinfektionsmittel, Schutzmittel, Schädlingsbekämpfungsmittel und sonstige Biozidprodukte.

Jeder Wirkstoff muss ein Genehmigungsverfahren auf europäischer Ebene durchlaufen. Anschließend muss jedes Produkt mit diesem Wirkstoff ebenfalls ein strenges Genehmigungsverfahren bestehen. Erst

Teil der Zulassung von Desinfektionsmitteln werden die mikrobiologischen Wirksamkeitstests sein. Hier ist die Überprüfung der Wirksamkeit nach etablierten europäischen, die mittlerweile auch als europäische und gleichzeitig deutsche Normen fixiert sind, gefordert und verpflichtend.

Europaweit geltende Normen haben sich mittlerweile als Stand der Technik für den Nachweis der Wirksamkeit von Desinfektionsmitteln etabliert, der für die Zulassung erforderlich ist.

Welche Bedeutung haben die IHO-Listen?

Der Industrieverband Hygiene und Oberflächenschutz (IHO) repräsentiert seit 1992 Hersteller von Produkten, Dienstleistungen und Systemen für Reinigung, Desinfektion und Oberflächenschutz zur Sicherung von Hygiene und Werterhalt in Industrie, Gewerbe und Institutionen.

Die Mitgliedsfirmen des IHO, darunter auch Witty, haben beschlossen, für Prüfungen von Desinfektionsreinigern standardisierte europäische Normen anzuwenden. Produkte, die diese DIN-EN-Standards erfüllen, kommen auf die Desinfektionsmittellisten des IHO. Diese können auf der lnternetseite www.iho.de heruntergeladen werden.

Für Anwendungen viruswirksamer Desinfektionsmittel im Bereich Gesundheitswesen sowie im allgemeinen Hygienebereich gilt die IHO-Viruzidieliste. Sie bietet eine umfassende Übersicht viruswirksamer Desinfektionsmittel für die Anwendungsbereiche Händedesinfektion, Flächendesinfektion sowie manuelle und maschinelle Instrumentendesinfektion.

Die IHO-Desinfektionsmittelliste enthält eine Zusammenstellung wirksamer Desinfektionsmittel zur Anwendung im Bereich Lebensmittelherstellung und -verarbeitung, sowie im Veterinärbereich (Tierhaltung).

Werden nationale Listen überflüssig?

Die Liste des Robert-Koch-Instituts (RKI) für Desinfektionsmittel und die Liste des Verbundes für Angewandte Hygiene (VAH) sind Beispiele für anerkannte nationale Regelungen. Doch sie gelten eben nur national. Wenn Produkte auf nationalen Listen geführt werden, bedeutet dies nicht zwangsläufig, dass sie die Anforderungen der Biozidprodukte-Verordnung erfüllen. Wer Produkte einsetzt, die dieser Verordnung nicht entsprechen, kann mit einem Bußgeld von bis zu 50.000 Euro belangt werden.

Auch wenn die VAH-Listung als Nachweis der Desinfektionsmittelwirkung nach EN gilt: Außerhalb Deutschlands wird sie nicht anerkannt. Im Sinne der europaweiten Harmonisierung setzt Witty, das ja in Deutschland, Österreich und der Schweiz tätig ist, daher vorwiegend auf europäische Normen wie DIN-EN-Standards.

In bestimmten Fällen bleiben jedoch nationale Listen maßgeblich, zum Beispiel bei behördlich angeordneter Desinfektion (im Seuchenfall) die RKI-Desinfektionsmittelliste.

Welche Vorteile hat dies für den Käufer?

Durch die Vereinheitlichung der Wirksamkeitsprüfungen nach EN-Normen sind Desinfektionsmittel auch länderübergreifend leichter zu vergleichen. Das sorgt für mehr Transparenz. Deshalb verzichtet Witty bei seinen neuen Desinfektionsmitteln auf eine Eintragung auf der VAH-Liste. Neue Biozid-Produkte werden gemäß Biozidgesetz bei den Länderbehörden angemeldet. Dies ist in Deutschland die BAuA (Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin), in Österreich das Umweltbundesamt und in der Schweiz das BAG (Bundesamt für Gesundheit).